Förderverein Computerbildung Senioren Computertraining

Im letzten Teil berichten wir über den Förderverein Computerbildung Senioren Computertraining e.V. Für dieses Gespräch standen uns Heinz Köhler und Hannelore Bilz zur Verfügung.

Herr Köhler, für was steht der Verein und für wen leistet er etwas?

Gegründet im Jahre 2008 hat es sich der Verein zur Aufgabe gemacht, älteren und interessierten Menschen den Computer und besonders die Informationstechnologie, sprich Handy und Tablet, näher zu bringen. Das hat sich gerade in den letzten 2 Jahren als sehr notwendig erwiesen!

Ein eigenständiger gemeinnütziger Verein, dessen fast 100 Mitglieder regelmäßig die wöchentlichen Kurse besuchen. Aufgrund des stark veränderten Lebens innerhalb der Pandemie konnte der Verein aufgrund verschiedener Initiativen ca. 500 Personen zählen, denen er geholfen hat.

Wo ist dieser Verein ansässig?

Der Sitz ist in der Mühlenstraße 24 in Buchholz, aber unsere Aktivitäten finden an verschiedenen Stätten statt. Dazu zählen sowohl die Grundschulen in Buchholz und Hanstedt, Sozialkontor Buchholz und bei der AWO-Buchholz in der Seniorenbegegnungsstätte.

Wie sind Sie zu diesem Verein gekommen?

Nach dem Ausscheiden aus meinem Berufsleben habe ich 2012 ein neues Aufgabengebiet gesucht und bin durch einen Bekannten auf den Computerverein aufmerksam gemacht worden. In erster Linie ging es mir darum, etwas für mich selber zu tun, bin dann aber dazu übergegangen, mich im Verein zu engagieren. 

Was hat Sie bewogen, dort ehrenamtlich aktiv zu werden?

Auf alle Fälle der Spaß an der Zusammenarbeit mit Menschen. Während meines Berufslebens hatte ich wenig Kenntnis vom Computer, habe sie maximal nur verkauft – und dann auch nur spezielle Geräte für die grafische Industrie. Angefangen mit Office – Grundprogrammen, habe ich mich später speziellen Programmen wie Bildbearbeitung und Powerpoint zugewandt. Da ich selber mit 72 Jahren nicht mehr der Jüngste bin, lag mir auch die Betreuung der Senioren am Herzen.

Was machen Sie jetzt dort genau und wie hoch ist Ihr Zeitaufwand?

Mittlerweile bin ich 1. Vorsitzender und habe die ehrenamtliche Aufgabe, den Verein zu führen. Unterstützt werde ich durch drei weitere Mitstreiter, alle als gewählte Vorstandsmitglieder. Gleichzeitig bin ich Leiter oder besser gesagt Trainer von 2 Gruppen, die ich regelmäßig anleite. Insgesamt komme ich wohl auf 30 Stunden im Monat, aufgeteilt auf die an 2 Tagen festgesetzten Kurse, ansonsten flexibel für die Vorstandsarbeit. 

Welche Aufgaben gibt es in dem Verein?

Zur Zeit verfügen wir über 10 Gruppenleiter, die in den unterschiedlichen Kursen unterrichten. Die Teilnehmer lernen den eigenständigen Umgang mit Computer, Smartphone und Tablet. Die Kurse umfassen einen jährlichen Zeitraum von 80 Stunden und sind mit bei 10 – 14 Teilnehmern belegt.

Worin sehen Sie den Nutzen dieses Vereins?

Eindeutig darin, die Menschen abzuholen, die jetzt dazu genötigt werden, sich mit dieser Technologie auseinanderzusetzen. Das haben wir ganz besonders in den letzten 2 Jahren festgestellt, als es auf einmal hieß, man solle sich Impftermine oderweitere Informationen und Richtlinien aus dem Netz über das Smartphone besorgen – damit waren sehr viele Mitmenschen einfach überfordert. Viele von ihnen haben noch geglaubt, das ginge einfach noch so an ihnen vorüber, aber das ist leider nicht der Fall. Hören wir doch häufig aus den Nachrichten, wenn sie mehr wissen wollen, gehen sie bitte auf unsere Homepage.

Diese Problematik, mit der daraus resultierenden Hilflosigkeit, wird in der Gruppe mit viel Spaß und Elan angegangen. Somit geht die Angst vor der unbekannten Technologie verloren und wir nehmen auch die Sorge, dass man etwas kaputtmachen kann.

Interessierte kommen entweder von sich aus zu uns und gleichzeitig wirken wir auch mit anderen Vereinen zusammen, um dort die Menschen anzusprechen. Hierzu zählen u.a. der Kulturbahnhof Holm-Seppensen oder die Landfrauen in Sprötze. Nach einem einführenden Kurzprogramm ist das Interesse häufig so groß, daß die geplanten Kurse aufgestockt werden müssen.

Wie lange sind Sie schon dabei und was motiviert Sie, immer aufs Neue weiterzumachen?

10 Jahre bin ich jetzt dabei und der Spaß am Umgang mit Computer und das darauf resultierende Interesse, immer mehr kennenlernen zu wollen und sich weiterzubilden. Man ist schon stolz, wenn der selbst entworfene Flyer oder die Zeitschrift in den eigenen Händen gehalten werden kann!

Konnten Sie hierdurch Ihren Bekannten- oder Freundeskreis erweitern?

Oh ja, das hat sich gravierend verändert. Es sind sehr viele Kontakte dazugekommen und besonders solche Menschen aus Bereichen, mit denen ich sonst nie Berührung gekommen wäre.

Ihr schönstes Erlebnis?

In einem Kurs erzählte eine Dame, deutlich über 80 Jahre, eine Freundin hätte sie gefragt, warum tust du dir das noch an. Darauf erwiderte sie: „weil ich nicht dumm sterben möchte“.

Welche Bereicherung bringt Ihnen persönlich das Ehrenamt?

Für mich, ganz klar, das Erlernen der Geduld! Wiederholung – Wiederholung – Wiederholung – das heißt Geduld, denn man kann nicht von Menschen erwarten, die nie mit Computern zu tun gehabt hatten, daß sie das Gebiet nach 2 Sätzen beherrschen. Sie müssen ganz langsam herangeführt werden, aber – so haben mir Lehrer erzählt – gilt das auch bei Kindern und Jugendlichen!

Wie sieht es aus Ihrer Sicht mit der Anerkennung für das Ehrenamt aus?

Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadt Buchholz und bekommen Unterstützung, was die Belegung der Räume in Grundschulen angeht. Man hat immer ein offenes Ohr für uns, es ändert aber nichts an der Tatsache, daß die Gesetzgebung durch zu viele Auflagen häufig das Ehrenamt behindert. Aus unserer Sicht wurde bei der Einführung der Datenschutzverordnung nicht daran gedacht, daß es Vereine gibt, die damit sehr überfordert waren oder auch heute noch sind.

Wie bekannt ist dieser Verein?

Einerseits wünschen wir uns einen größeren Bekanntheitsgrad, andererseits sind wir ein bißchen zurückhaltend geworden, denn wir müßten mit den jetzt vorhandenen Ehrenamtlichen auch alles abdecken und abarbeiten können. Häufig auf der Suche nach zusätzlichen Ehrenamtlichen, haben wir hier schon Hilfe von f·e·e erhalten, die sehr erfolgreich war. Über diese Unterstützung haben wir uns sehr gefreut und hoffen natürlich auch auf weiterhin gute Zusammenarbeit.

Was muß man mitbringen, um in Ihrem Verein ehrenamtlich tätig sein zu können?

Spaß am Umgang mit Menschen! Keiner muß ein Crack am Computer sein, gute Grundkenntnisse reichen aus. Auch technisch Begabte, die nicht unterrichten wollen, können uns ebenfalls in der Instandhaltung der Geräte oder per Hilfestellung in der Software unterstützen. Kenntnisse, losgelöst vom Computer, sind ebenfalls gern gesehen – denn auch wir brauchen Verwalter, Kassenwart usw.

Was würde Ihnen heute ohne dieses Ehrenamt fehlen?

Ganz viele Menschen würde mir fehlen! Für mich ist es das wichtigste im Leben, nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben weiterhin viele Kontakte zu haben. Immer neue Menschen, neue Herausforderungen, immer neugierig bleiben – das alles wird mir durch das Ehrenamt geboten.

Was ist Ihr Fazit aus Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit?

Von dem, was ich einbringe, bekomme ich eine ganze Menge zurück. Verbindungen entstehen, wo ich merke, derjenige freut sich, daß ich ihm geholfen habe. Das ist immer wieder ein schönes Erlebnis und manchmal auch sehr beeindruckend.

Für uns würde ein Wunsch in Erfüllung gehen, bekämen wir einen eigenen Raum zur Verfügung gestellt, in dem wir unterrichten könnten. Gerne in zentraler Lage, vielleicht ein nicht mehr genutztes Ladengeschäft, für alle gut und leicht erreichbar.

Wir haben schon mehrere Anläufe unternommen, können aber keine großen Mieten aufbringen, da unsere jährlichen Mitgliedsbeiträge bewußt sehr gering und seit 2008 unverändert sind. Unser Ziel ist es, jedem die Möglichkeit zur Weiterbildung zu geben, daher reichen die Einnahmen leider nur gerade mal für die Anschaffung und Erhaltung der Computer.

 

 

Eine der vielen Nutzer*innen ist Hannelore Bilz, die mit ihren 78 Jahren topfit und noch sehr rege am öffentlichen Leben teilnimmt. „Ich war kurz davor, meinem Computer aus dem Fenster zu werfen – nichts funktionierte so, wie ich es wollte!“ Durch eine Nachbarin, seit vielen Jahren selber Mitglied in diesem Verein, sei sie hierauf aufmerksam gemacht worden. Das ist jetzt ein dreiviertel Jahr her und wie sie selber sagt „die klügste Entscheidung, die ich treffen konnte.“

Vorher war sie in ganz vielen Kursen der Kreisvolkshoch-schule, doch leider ist zwischenzeitlich das Angebot in Richtung Computer nur noch sehr gering, nicht nur für Senioren. Hinzu kommt, dass die früheren Kurse auch viel Geld gekostet haben; der hier im Verein zu entrichtende Monatsbeitrag von € 10,00 ist optimal.

Der Computerverein war ihr vorher nicht bekannt. Berufsmäßig hatte sie früher zwar mit den vorgegebenen Computerprogrammen zu tun gehabt, doch wie wichtig die ganze Angelegenheit in Bezug auf Handy und Tablet ist, sei ihr jetzt erst klar geworden. Diese Technologie beansprucht im täglichen Leben einen immer größeren Raum; da gab es Lücken, die geschlossen werden sollten.

Es macht ihr nicht nur viel Spaß; sie konnte dadurch für sich auch neue Hobbys entdecken und ausbauen. Nunmehr kann sie schon fast selbständig mit den Geräten umgehen und benötigt kaum noch Hilfe von dritten. Im Gegenteil, mittlerweile kann sie sogar schon manchmal Freunden helfen, deren Familienangehörige weltweit verstreut leben. „Das macht mich glücklich und auch ein bißchen stolz“.

Ihr Herz schlägt für die Bildbearbeitung. “Mein Mann und ich gehen immer noch gerne auf Reisen und wenn ich dann zuhause die Bilder entsprechend bearbeite, erlebe ich die entsprechende Reise noch einmal.“ Das hat ihr gerade in der Coronazeit geholfen. „Bilder und Filme von früheren Reisen zu gucken und sich bewußt zu werden, was wir alles Schönes erleben durften!“ Die Ansprüche steigen natürlich – so korrigiere sie heute noch so manches anfängliche Foto, „aus dem das Wasser herauszulaufen droht – so schief war die Aufnahme“. Mittlerweile hätte sie auch gelernt, worauf man heute genau zu achten hat.“

Was hat sich seit der Vereinszugehörigkeit für Sie verändert? „Ich bin seitdem mehr in Buchholz angekommen, als es vorher war. Zwar lebe ich schon viele Jahrzehnte hier, aber aufgrund der beruflichen Tätigkeit war das ganze Leben nach Hamburg ausgerichtet, hatte hier also nur wenig Kontakte. Jetzt kenne ich so viele Menschen, die man auch außerhalb der Kurse auf dem Markt, in Geschäften oder Cafès trifft – das ist schön und vertraut. Viele Gruppen hätten sich schon gefunden, deren Thematik mit Computern nichts mehr zu tun hat – sozusagen ein sozialer Austausch, in der Coronazeit ganz wichtig gewesen!

Ihr Fazit: „Ich bin meiner Nachbarin unendlich dankbar für diesen Tipp, den ich jederzeit sofort weitergeben würde. Es war eine sehr gute Entscheidung! Gerade im Umfeld meiner Generation ist es eine Schallmauer zu sagen „das schaffe ich doch sowieso nicht mehr“. Nein, das ist total falsch! Einfach herkommen, Spaß haben und dabei auch noch etwas zu lernen – so nimmt man auch im Alter noch richtig am Leben teil.“